Abseits der lebendigen Heerstraße, umgeben von altem Baumbestand und kleinen Teichen liegt die Oberschule wortwörtlich im Park. Das Gelände mitsamt Landhaus gehörte früher einem Bremer Industriellen.
Heute lernen hier etwa 400 Jungen und Mädchen von Klasse 5 bis 10. Tendenz steigend. Ab Sommer 2026 erhält die Schule mit dem lang ersehnten Neubau eine zukunftsweisende Erweiterung. Dann wird ein großzügiger Campus in Clusterbauweise mit Lerninseln, neuen Fachräumen und einer Dreifeldsporthalle fertig gestellt und das Schulgelände und Lernen noch attraktiver und inspirierender gestaltet. Wir treffen Monika Steinhauer und Tillmann Schneider von der Schulleitung der Oberschule im Park, um über aktuelle und zukünftige Entwicklungen zu sprechen.
Beide betonen: Im Fokus der Oberschule im Park stehen die Schüler:innen – mit ihren individuellen Möglichkeiten, Talenten und Potenzialen. Im Schulalltag heißt das: In den Jahrgängen 5 bis 7 steht ein beziehungsorientierter und binnendifferenzierter Unterricht im Mittelpunkt. Die Schüler:innen lernen in festen Lerngruppen, begleitet von kleinen Jahrgangsteams, die auf die jeweilige Altersgruppe spezialisiert sind. Klassen von maximal 20 Schüler:innen ermöglichen eine intensive Lernbegleitung für alle. Vielfalt gehört selbstverständlich zum Schulalltag. Unterschiedliche Lebensgeschichten, Erstsprachen und Interessen treffen aufeinander und bilden eine lebendige Schulgemeinschaft.
Verantwortung wird an der Oberschule im Park ebenfalls großgeschrieben: Ob im Schulalltag, im Klassenrat, in der aktiven Mitwirkung an demokratischen Prozessen und bei der Gestaltung des Schullebens. Beteiligung wird nicht nur ermöglicht, sondern schon früh aktiv eingefordert.
So werden die Schüler:innen mit Formen demokratischer Mitwirkung vertraut und erleben, dass ihre Stimme zählt – im Leben wie in echten Gremien. Auch die Schüler:inneninitiative zur Auszeichnung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Ausdruck dieser Haltung.
Mit dem Wechsel in die Jahrgänge 8 bis 10 rückt die fachliche Leistungsorientierung stärker in den Fokus: Viele Fächer werden in äußerer Fachleistungsdifferenzierung, also in curricular vorgegebenen unterschiedlichen Anforderungsebenen, unterrichtet. Anwählbare Angebote eröffnen einen neigungs- und interessenorientierten Unterricht: zur Wahl stehen die die Module der Wahlpflichtkurse „Creative Media“ und „Abenteuer Leben!“ sowie die Profile „Spanisch“ und das praxisnahe „Delikat – Essen und mehr!“, welches Fachlernen mit praktischen Aufgaben verbindet. Hier wird der Cafeteria-Betrieb eigenverantwortlich von den Jahrgängen 8 und 9 organisiert. Im Abschlussjahrgang gestalten die Schüler:innen den wöchentlichen Mittagstisch in Restaurant-Atmosphäre. Es wird kalkuliert, gekocht, serviert und reflektiert – lebensnah, differenziert, in Verantwortung und Gemeinschaft.
„Die Schule legt dabei großen Wert darauf, dass Lernverläufe von Schüler:innen auch wissenschaftlich begleitet und weiterentwickelt werden und scheut nicht den Blick von außen,“ betont Tillmann Schneider. Um die eigene pädagogische Praxis zu bereichern, geht der Blick bewusst über den Tellerrand hinaus: Kooperationen mit Kunst- und Kultureinrichtungen, Theater und Museen, mit außerschulischen naturwissenschaftlichen Lernorten wie dem Universum Bremen sowie mit Sportvereinen im Stadtteil oder dem Sportgarten eröffnen neue Impulse für das Lernen.
Darüber hinaus nimmt die Schule aus eigenem Antrieb teil am Bremer Diagnostikprogramm LALE (Lernausgangslagenerhebung), in dem derzeit Schüler:innen von 23 Schulen in Bremen und Bremerhaven in den Bereichen Deutsch/Leseverstehen und Mathematik wissenschaftlich getestet und in Bezug auf Lernzuwächse verglichen werden.
Allein: Daten zu erheben macht jedoch noch keine erfolgreiche Schulentwicklung. Vielmehr geht es darum, aus ihnen Informationen zu ziehen und anschließend in Erkenntnisse für die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu übertragen. Lehrkräfte erhalten so ein genaueres, weil datenbasiertes Bild vom (Lern-)Stand ihrer Schüler:innen und haben die Möglichkeit, wirksam Lehr- und Lernstrategien zu entwickeln – nicht nur individuell, sondern auch klassenbezogen.
Erfolgsfaktoren wie Hindernisse für zielführendes Lernen können aus den Erhebungen konkret analysiert und entsprechende Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Das bedingt jedoch die Bereitschaft der Institution Schule, sich selbst zu hinterfragen. Die Oberschule im Park versteht sich daher ausdrücklich als lernende Institution. In multiprofessionellen Teams, durch Unterricht im Tandem, Fortbildungen und Datenanalysen entwickelt sich auch das Kollegium kontinuierlich weiter. Schulentwicklung wird gemeinsam getragen, mit dem Ziel, Schüler:innen auf ihrem jeweiligen Leistungsniveau optimal zu fördern und zu fordern und bestmögliche Schulabschlüsse zu erreichen. Monika Steinhauer beschreibt es so: „Im Schulalltag geht es konkret darum: Welche Angebote machen wir, damit ein Kind die nächsten Schritte tun kann? Wie können wir individuelle Lernwege gut begleiten? Denn das ist allen wichtig: Kein Kind soll seine Schullaufbahn ohne Abschluss und ohne Perspektive beenden!“
Mit dem Startchancen-Programm, einem bundesweiten Förderprogramm zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit, erhält die Schule zusätzliche Ressourcen, um gezielt in Lernförderung, multiprofessionelle Teams und Schulentwicklung zu investieren. Die Kooperationen mit den umliegenden Grundschulen haben sich in den letzten Jahren merklich vertieft. Um Viertklässler:innen den Übergang von der Grund- zur Oberschule zu erleichtern, gibt es gegenseitige Hospitationen, gemeinsame Lernferien im Frühjahr und Herbst und sogar ein gemeinsames Theaterprojekt: „Die Schüler:innen sollen auf ihrem weiteren Bildungsweg im Stadtteil bleiben können“, wünscht sich Monika Steinhauer und ergänzt scherzhaft: „Manchmal träume ich, dass die Oslebshauser Heerstraße für den Autoverkehr untertunnelt wird und wir auf dem Platz einen großen Bildungscampus bauen mit Schulen auf beiden Seiten.“
Die ganze Serie gibt es auf: www.gröpelingen-bildet.de