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Was für Jonny und Ulli das fliegende Klassenzimmer, war für Confidence und Emirhan die schwimmende Klassenfahrt. 36 Schüler:innen aus den Klassen 5a und 5b vergnügten sich während eines einwöchigen Ausflugs vor allem im Wasser.
Die Schule nutzte damit das Angebot der Event-Agentur Trixitt innerhalb des Bremer Landesprogramms Schüler:innen stärken. Trixitt ist mit vielen Sportfesten im Land Bremen dabei, um vor allem die motorischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen auf- und auszubauen. Ebenfalls im Repertoire ist die schwimmende Klassenfahrt. Ziel: Schüler:innen die Angst vor dem Wasser zu nehmen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und das Schwimmen so zu lehren, dass es möglichst zur Schwimmfähigkeit und einem Abzeichen – Seepferdchen, Bronze, Silber – führt. Der Spaß soll und darf dabei nicht zu kurz kommen. Gesagt, geschwommen – und zwar im Schullandheim an der Bunthausspitze in Hamburg, direkt an der Elbe gelegen, ausgestattet mit großem Freizeitgelände und einer Schwimmhalle.

„Wir haben hier ideale Bedingungen“, sagt Trixitt-Teamleiter Daniel Kraft. Gemeinsam mit drei weiteren Trainer-Betreuenden kümmert er sich um die Schüler:innen, die Fahrten, das Schwimmen und das gesamte sehr sportliche Programm. „Wir haben allesamt den DLRG-Rettungsschein und wollen dazu beitragen, junge Menschen in Bewegung zu bringen, insbesondere im Wasser. Dabei steht die Sicherheit immer im Vordergrund. Alle Menschen sollten schwimmen können“, so Kraft. Jeden Tag sind die Gröpelinger Schüler:innen für eineinhalb Stunden am Stück im Wasser und tatsächlich immer in Bewegung. Mal mit Musik, mal ohne, mal mit Bällen und Pool-Nudeln, mal im Wettkampf gegeneinander, mal hochkonzentriert beim Erlernen des Brustschwimmens. Trainiert wird in Halbgruppen, 18 Jugendliche mit den vier Trainern.

Am ersten Tag werden diese Gruppen in Schwimmer und Nichtschwimmer eingeteilt. Dabei bleibt genug Luft, um sich den sehr ängstlichen Jugendlichen intensiv und individuell zu widmen und eine Wassergewöhnung zu bieten. Lehrkräfte sind in der Schwimmhalle nicht dabei. „Schüler:innen reagieren so häufig lockerer und ungehemmt“, so Kraft. Die vier Pädagoginnen Sandra Leu, Annette Cyris, Tobias Mattfeldt und Tom Kleinesudeik, die „ihre“ 5. Klassen begleiten, sind mit diesem Vorgehen sehr einverstanden. „Wir können uns so um die Kinder kümmern, die gerade nicht schwimmen. Es bleibt Zeit für viel individuelle Zuwendung und natürlich auch gemeinsame Aktivitäten“, so Leu. So sitzen Jugendliche und Lehrerinnen in der Sonne und häkeln Talisman-Bienen. Emirhan findet das entspannende Häkeln so cool, wie das Schwimmen. „Ich habe ganz viel gelernt.“, so der 11-Jährige stolz. Confidence gehört zu den Schüler:innen, die das Wasser anfänglich gar nicht toll fanden. Durch sensible Heranführung fasste die Zehnjährige aber Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. „Confidence ist am Anfang der Woche mit viel Angst in die Schwimmhalle gekommen. Langsam hat sie diese überwunden und schwimmt schon am dritten Tag in beeindruckender Form“, erläutert Trainer Luca Meischein. Leu ergänzt: „Sie hat Selbstvertrauen gewonnen, das gilt hier für einige. Die Arbeit, die hier vom Trixitt-Team geleistet wird, ist großartig.“

Das lässt sich auch ermessen. Von den 36 Schüler:innen hatten vor der Klassenreise 16 das Seepferdchen-Abzeichen, 20 hatten keins. Innerhalb der Woche konnten 16 Jugendliche das Seepferdchen-Abzeichen machen, davon drei sogar Seepferdchen und Bronze erschwimmen. 16 weitere hatten das Seepferdchen-Abzeichen bereits und erlangten innerhalb der Woche allesamt die Bronze-Plakette. Vier Schüler:innen konnten noch kein Abzeichen bekommen, aber Furcht vor Wasser überwunden. „Das ist ein großer Erfolg. Man muss aber auch sagen, dass das Seepferchen nur ein Anfang zur Schwimmfähigkeit ist, wichtig ist es dran zu bleiben“, räumt Kraft ein.
Neben dem Schwimmen und der Fingerbewegung beim Häkeln standen weitere sportliche Tätigkeiten auf dem Programm: Ballspiele, Tischtennis, Laufen – die Bandbreite ist groß. Alle – auch die Erwachsenen – machen mit. „Der Vorteil ist, abends sind alle sehr müde. Hinzu kommt das Bio-Essen aus der Region, das richtig gut schmeckt“, urteilt Leu und wird von einigen Schüler:innen bestätigt: „Wir wollen wiederkommen, das war richtig top!“

Und auch nach der Rückkehr bleibt die Begeisterung: „Es zeigt sich seit der Klassenfahrt, dass die Kinder der Klasse 5a ihre Angst vor dem Wasser und der Tiefe verloren haben. 2/3 der Schüler:innen können nun im tiefen Wasser schwimmen. Im Durchschnitt schaffen die Kinder 25 Meter ohne sich festhalten zu müssen, manche mehr. Fast alle trauen sich sogar vom Beckenrand oder Ein-Meter- Brett ins tiefe Wasser zu springen. Es fehlt den meisten noch an der Technik, aber sie können sich schwimmend von A nach B bewegen. Das hätte ich so nicht erwartet“, urteilt Leu.

(29.04.2022)

(Text und Bilder von Annette Kamp)